Inhaltsverzeichnis
LVRSys® und RONT kurz erklärt
LVRSys® vs. RONT: Beide Lösungen unterstützen die Spannungshaltung im Niederspannungsnetz. Sie unterscheiden sich im Regelprinzip; Einbauort und Wirkbereich können sich je nach Ausführung überschneiden. Entscheidend für die Auswahl sind die Netzstruktur sowie der Ort und die Ursache des Spannungsproblems.
Photovoltaikanlagen können die Spannung in Niederspannungsnetzen anheben. Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur und weitere Lasten können sie dagegen absenken. Treten Spannungsprobleme nur in einem einzelnen Netzausläufer auf, ist eine andere technische Betrachtung erforderlich als bei Spannungsbandverletzungen im gesamten, von einer Ortsnetzstation versorgten Niederspannungsnetz.
Ein RONT ist ein regelbarer Ortsnetztransformator. Die Spannungsregelung erfolgt durch die Veränderung des Übersetzungsverhältnisses des Ortsnetztransformators im laufenden Betrieb unter Last. LVRSys® ist dagegen ein eigenständiger Längsregler auf der Niederspannungsseite. Je nach Ausführung und Einbauort regelt das System als Strangregler einen ausgewählten Netzabschnitt oder als nachgeschalteter Regler mehrere Abgänge bis hin zu einem ganzen Ortsnetz. Das Übersetzungsverhältnis des vorhandenen Ortsnetztransformators wird dabei nicht verändert.
Key Takeaways
- Gemeinsames Ziel - Beide Konzepte unterstützen die Einhaltung des erforderlichen Spannungsbandes im Niederspannungsnetz.
- RONT - Die Spannungsregelung erfolgt zentral am Ortsnetztransformator und wirkt auf das gesamte nachgelagerte Niederspannungsnetz.
- LVRSys® - Der eigenständige Längsregler wirkt auf den nachgelagerten Netzbereich: je nach Einbauort auf einen Strang, mehrere Abgänge oder das gesamte Ortsnetz.
- Planungsentscheidung - Entscheidend sind Ort und Ursache des Spannungsproblems, nicht allein die Wahl einer bestimmten Regeltechnik.
- Wichtige Abgrenzung - Thermische Überlastungen und unzureichende Kurzschlussverhältnisse müssen unabhängig von der Spannungsregelung bewertet werden.
Der entscheidende Unterschied: Regelung im Transformator oder nachgeschalteter Längsregler
Der Einbauort entscheidet über den Wirkbereich der Spannungshaltung. Ein RONT verändert die Spannung zentral an der Ortsnetzstation. LVRSys® kann im Niederspannungsstrang oder direkt hinter dem Ortsnetztransformator eingesetzt werden. Entscheidend ist, welche Abgänge hinter dem Regler angeschlossen sind.
RONT: Regelung in der Ortsnetzstation
Ein RONT verändert das Übersetzungsverhältnis des Ortsnetztransformators unter Last. Die Spannungsanpassung erfolgt damit an der Schnittstelle zwischen Mittelspannung und Niederspannung.
- Zentraler Einsatzort in der Ortsnetzstation
- Wirkt auf das gesamte nachgelagerte Niederspannungsnetz
- Kann bei stationsweiten Spannungsproblemen betrachtet werden
LVRSys®: Regelung im betroffenen Netzabschnitt
LVRSys® arbeitet als Längsregler auf der Niederspannungsseite. Das System kann einen bestimmten Abgang oder Netzausläufer regeln. Bei entsprechendem Einbau und passender Bemessung ist auch die Regelung mehrerer Abgänge oder eines ganzen Ortsnetzes möglich.
- Einsatz im ausgewählten Niederspannungsabschnitt oder direkt hinter dem Ortsnetztransformator
- Regelt den hinter dem System angeschlossenen Netzbereich, auch bei Rückspeisung
- Kann je nach Einbauort bei lokalen oder stationsweiten Spannungsproblemen geprüft werden
Regeltechnik und Wirkbereich
Wie arbeitet ein RONT?
Bei einem RONT wird die Spannung durch den Ortsnetztransformator geregelt. Das Übersetzungsverhältnis zwischen Mittelspannungs- und Niederspannungsseite wird im laufenden Betrieb über einen Laststufenschalter angepasst, damit die Niederspannung innerhalb eines definierten Bereichs gehalten werden kann.
Die Regelung setzt zentral in der Ortsnetzstation an. Ändert sich die Ausgangsspannung des Transformators, wirkt sich diese Änderung auf alle von der Station versorgten Niederspannungsabgänge aus.
Wie arbeitet LVRSys®?
LVRSys® arbeitet als Längsregler im Niederspannungsnetz. Das Regelprinzip basiert auf zwei Transformatoren, deren Zu- und Abschaltung neun Spannungsstufen ermöglicht. Die Regelung kann die Spannung anheben oder absenken und so dazu beitragen, den gewünschten Spannungsbereich im nachgelagerten Netzabschnitt einzuhalten.
Die lastabhängige Regelung berücksichtigt den gemessenen Strom und eine parametrierte Netzimpedanz. Dadurch kann ein rechnerisch ermittelter Spannungswert am Netzausläufer in die Regelung einbezogen werden. LVRSys® ist zudem phasenunabhängig regelbar.

Wo werden LVRSys® und RONT eingesetzt?
| Merkmal | LVRSys® | RONT |
|---|---|---|
| Typischer Einbauort | Im Verlauf eines Niederspannungsabgangs oder als nachgeschalteter Regler direkt hinter dem Ortsnetztransformator | In der Ortsnetzstation als regelbarer Transformator |
| Wirkbereich | Je nach Anschluss ein Strang, mehrere Abgänge oder das gesamte nachgelagerte Ortsnetz | Das von der Ortsnetzstation versorgte Niederspannungsnetz |
| Typische Netzsituation | Lange Netzausläufer und lokal begrenzte Spannungsprobleme; bei zentralem Einbau auch mehrere Abgänge mit gleichgerichtetem Regelbedarf | Spannungsprobleme mehrerer Abgänge oder des gesamten Stationsnetzes, die durch eine gemeinsame Spannungsanpassung behoben werden können |
| Planerischer Ansatz | Gezielte Spannungshaltung im Strang oder zentrale nachgeschaltete Regelung bei Erhalt des vorhandenen Ortsnetztransformators | Zentrale Spannungshaltung am Übergang von Mittel- zu Niederspannung |
| Auswirkung auf andere Abgänge | Bei Einbau in einem einzelnen Abgang werden andere Abgänge nicht unmittelbar mitgeregelt; bei zentralem Einbau werden alle hinter dem Regler angeschlossenen Abgänge beeinflusst | Die Spannungsanpassung betrifft alle nachgelagerten Abgänge der Ortsnetzstation |

Die Spannung verändert sich entlang einer Leitung. Bei Leistungsbezug tritt typischerweise ein Spannungsabfall auf. Bei hoher dezentraler Einspeisung kann sich die Spannung insbesondere an weiter entfernten Netzpunkten anheben. Deshalb ist bei der Auswahl einer Regeltechnik nicht nur entscheidend, dass geregelt wird, sondern auch, wo die Regelung im Netz ansetzt.
Weitere Grundlagen zu diesem Thema finden Sie in den Wissensbeiträgen Spannungshaltung, Spannungsstabilisierung und Spannungsüberwachung.
Vor- und Nachteile im Überblick
LVRSys®: Vorteile und Grenzen
Vorteile
- Die Regelung mit LVRSys® kann gezielt auf einen einzelnen, betroffenen Niederspannungsabschnitt ausgerichtet werden.
- Der bestehende Ortsnetztransformator kann sowohl beim Einsatz im Abgang als auch bei einer zentralen nachgeschalteten Regelung erhalten bleiben.
- Die phasenunabhängige Regelung kann zur Symmetrierung der Phasenspannungen beitragen.
- Bei der Ausführung als regelbarer Kabelverteilerschrank erfolgt der Einbau ähnlich wie bei einem Kabelverteilerschrank mit Lastschaltleisten.
Zu beachten
- LVRSys® wirkt nur auf den nachgelagerten Netzbereich.
- Einbauort, Regelbereich und Bemessung müssen zur konkreten Netzsituation passen.
- Eine notwendige Verstärkung bei thermischer Überlastung von Leitungen wird durch eine Spannungsregelung nicht automatisch ersetzt.
RONT: Vorteile und Grenzen
Vorteile
- Die Regelung setzt zentral an der Ortsnetzstation an.
- Die Ausgangsspannung kann für das gesamte nachgelagerte Niederspannungsnetz angepasst werden.
- Der Ansatz kann bei stationsweiten Spannungsproblemen eine einheitliche Regelung ermöglichen.
Zu beachten
- Eine zentrale Spannungsänderung betrifft alle Abgänge der Ortsnetzstation, auch wenn nur ein einzelner Abgang kritisch ist.
- Die Planung und Umsetzung beziehen sich auf die Ortsnetzstation und deren Transformator.
- Auch ein RONT ersetzt keine Maßnahme, wenn die Stromtragfähigkeit von Leitungen oder Betriebsmitteln begrenzend ist.
Welche Lösung passt zu welcher Netzsituation?
| Netzsituation | Technische Einordnung |
|---|---|
| Spannungsprobleme in einem langen oder lokal belasteten Netzausläufer | Eine gezielte Regelung mit LVRSys® kann geprüft werden. |
| Mehrere Abgänge einer Ortsnetzstation zeigen ähnliche Spannungsbandprobleme | Eine zentrale Regelung mit RONT oder einem passend bemessenen, nachgeschalteten LVRSys® kann geprüft werden. |
| Hohe Spannungsunsymmetrie in einem einzelnen Niederspannungsabschnitt | Die phasenunabhängige Regelung von LVRSys® kann in die Bewertung einbezogen werden. |
| Leitung oder Betriebsmittel thermisch überlastet | Eine Spannungsregelung allein ist keine ausreichende Maßnahme. Der Netzausbau- und Betriebsmitteleinsatz muss separat bewertet werden. |
| Problemursache ist noch nicht eindeutig | Zunächst sind Messung, Lastflussbetrachtung und die Bewertung des betroffenen Netzbereichs erforderlich. |
Fachliche Einordnung für die Netzplanung
RONT und LVRSys® sind keine identischen Systeme mit unterschiedlicher Produktbezeichnung. Sie unterscheiden sich im Regelprinzip, können sich bei den Einsatzfällen jedoch überschneiden. Ein RONT regelt über das Übersetzungsverhältnis des Ortsnetztransformators; LVRSys® übernimmt die Spannungsregelung als eigenständiger Längsregler auf der Niederspannungsseite. Benötigen verschiedene Abgänge gleichzeitig eine Spannungsanhebung und eine Spannungsabsenkung, kann eine gemeinsame zentrale Regelung an Grenzen stoßen. Dann ist eine gezielte Strangregelung zu prüfen.
Die Wahl sollte auf einer Netzbetrachtung beruhen, die Spannungsverlauf, Lage der Einspeiser und Lasten, Leitungslängen, Stromtragfähigkeit sowie Kurzschlussverhältnisse berücksichtigt. Eine kontinuierliche Spannungsüberwachung schafft dafür die erforderliche Datengrundlage.

LVRSys®
Gezielte Spannungshaltung im Niederspannungsnetz
LVRSys® stabilisiert die Spannung in ausgewählten Niederspannungsabschnitten. Das System eignet sich für Netze, in denen die Kurzschlussleistung ausreichend ist, jedoch wiederkehrende Spannungshaltungsprobleme auftreten.
Fazit: Der Einbauort bestimmt den Wirkbereich
Ein RONT regelt die Spannung zentral über den Ortsnetztransformator. LVRSys® regelt die Spannung als eigenständiger Längsregler auf der Niederspannungsseite. Sein Wirkbereich reicht je nach Ausführung und Einbauort vom einzelnen Strang bis zum gesamten Ortsnetz. Beide Ansätze können zur Spannungshaltung beitragen, wenn sie passend zur jeweiligen Netzstruktur ausgewählt werden.
Für die technische Bewertung ist entscheidend, welche Netzbereiche betroffen sind und ob eine gemeinsame Spannungsanpassung ausreicht oder einzelne Stränge gezielt geregelt werden müssen. Erst die Kombination aus Netzkenntnis, Messdaten und einer passenden Regelstrategie ermöglicht eine fundierte Entscheidung.
FAQ - Häufige Fragen
Ist LVRSys® ein RONT?
Nein. Ein RONT ist ein regelbarer Ortsnetztransformator, bei dem das Übersetzungsverhältnis des Transformators angepasst wird. LVRSys® ist ein eigenständiger Längsregler auf der Niederspannungsseite. Auch bei einem Einsatz direkt hinter dem Ortsnetztransformator wird LVRSys® dadurch nicht zu einem RONT.
Was ist der wichtigste Unterschied zwischen LVRSys® und RONT?
Der wichtigste Unterschied ist das Regelprinzip: Ein RONT verändert das Übersetzungsverhältnis des Ortsnetztransformators. LVRSys® regelt als eigenständiger Längsregler auf der Niederspannungsseite. Der Wirkbereich von LVRSys® hängt vom Einbauort ab und kann einen Strang, mehrere Abgänge oder ein ganzes Ortsnetz umfassen.
Kann LVRSys® auch an einer Ortsnetzstation eingesetzt werden?
Ja. LVRSys® kann einen einzelnen Niederspannungsabgang regeln oder direkt hinter dem Ortsnetztransformator eingesetzt werden. Sind mehrere Abgänge oder das gesamte Ortsnetz hinter dem System angeschlossen, umfasst die Regelung diesen Bereich. Voraussetzung sind eine passende Ausführung und Bemessung. Der vorhandene Ortsnetztransformator bleibt erhalten; LVRSys® übernimmt die nachgeschaltete Spannungsregelung.
Ist ein RONT oder LVRSys® grundsätzlich die bessere Lösung?
Nein. Welche Lösung technisch passt, hängt von der Netzstruktur, der Ursache des Spannungsproblems und dem erforderlichen Wirkbereich ab. Neben Einbauort und Bemessung ist entscheidend, ob eine gemeinsame Spannungsanpassung genügt oder einzelne Stränge gezielt geregelt werden müssen.
Ersetzt eine Spannungsregelung immer den Leitungsausbau?
Nein. Eine Spannungsregelung kann bei Spannungsbandproblemen eine geeignete Maßnahme sein. Bei thermischen Überlastungen, unzureichender Stromtragfähigkeit oder anderen Netzengpässen können zusätzliche Netzausbaumaßnahmen erforderlich bleiben.
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