TAB Mittelspannung richtig umsetzen: Anforderungen aus dem BDEW Musterwortlaut
TAB Mittelspannung wird mit dem neuen BDEW-Musterwortlaut stärker zu einer Frage der sauberen technischen Umsetzung am Netzanschlusspunkt. Für Verteilnetzbetreiber, Planer, Anlagenerrichter und Betreiber von MS-Kundenstationen geht es nicht nur um formale Vorgaben, sondern um eine belastbare Messkette aus Wandlern, Messgerät, Datenübertragung und Auswertung. Gerade bei Power Quality, Harmonischen und Frequenzanteilen bis 9 kHz entscheidet die tatsächliche Eignung der eingesetzten Wandler darüber, ob Messwerte für Betrieb, Nachweis und Bewertung überhaupt verlässlich sind. Ein praxistauglicher Ansatz verbindet deshalb normkonforme Messtechnik, passende Wandler und eine durchgängige Auswertung in einem System.
Key Takeaways
- Der BDEW Musterwortlaut TAB Mittelspannung harmonisiert technische Anforderungen und Prozesse beim Netzanschluss in der Mittelspannung und reduziert für Netzbetreiber den Begründungsaufwand bei Vorgaben, die bereits im Musterwortlaut enthalten sind.
- Für die TAB Mittelspannung Messung reicht nicht allein ein Klasse-A-Messgerät aus. Entscheidend ist die gesamte Messkette vom Netz über Strom- und Spannungswandler bis zur Auswertung.
- Herkömmliche Messwandler nach IEC 61869 sind für den Betrieb bei Nennfrequenz ausgelegt. Für frequenzabhängige Power-Quality-Bewertungen in der Mittelspannung können sie Messwerte im kHz-Bereich deutlich verfälschen.
- Für die Bewertung von Harmonischen und Zwischenharmonischen im Bereich 2 bis 9 kHz werden nach IEC 61000-4-7 200-Hz-Bänder gebildet. In der Praxis sind dafür deutlich höhere Abtastraten erforderlich als bei einer reinen Grundfrequenzbetrachtung.
- Die Umsetzung der neuen TAB Mittelspannung Anforderungen sollte früh mit dem VNB abgestimmt werden, insbesondere bei Wandlerauswahl, Messort, Störschreiber, Datenformaten und Nachweisen der Messkette.
Einleitung
TAB Mittelspannung steht aktuell im Fokus, weil der veröffentlichte BDEW-Musterwortlaut erstmals eine bundesweit einheitlichere Grundlage für die Technischen Anschlussbedingungen von Kundenanlagen in der Mittelspannung schafft. Der Musterwortlaut konkretisiert die VDE-AR-N 4110 und ist direkt mit der seit 2024 geltenden rechtlichen Lage nach § 19 Abs. 1a EnWG verknüpft: Ergänzungen in TAB müssen begründet werden, außer sie sind bereits im BDEW-Musterwortlaut enthalten.
Für die Praxis bedeutet das: Die Diskussion verschiebt sich weg von Einzelformulierungen und stärker hin zur belastbaren Umsetzung. Genau an dieser Stelle entstehen in vielen Projekten die eigentlichen Fragen. Welche Messung ist am Netzanschlusspunkt erforderlich? Welche Rolle spielen Wandler? Welche Genauigkeit ist für eine verlässliche Bewertung der Spannungsqualität notwendig? Und wie wird aus einer formalen TAB-Anforderung ein technisch funktionierendes Konzept in der MS-Kundenstation?
Hinzu kommt, dass sich die elektrische Realität in Mittelspannungsnetzen verändert hat. Dezentrale Erzeuger, leistungselektronische Verbraucher, volatile Lastflüsse und steigende Netzrückwirkungen führen dazu, dass klassische Betrachtungen um 50 Hz allein oft nicht mehr ausreichen. Für TAB Mittelspannung Power Quality wird deshalb die Frage entscheidend, wie belastbar Messungen über Wandler im realen Betrieb tatsächlich sind.
Webinar: Auswirkungen des neuen BDEW-Musterwortlauts für die TAB Mittelspannung
Die Webinaraufzeichnung von A. Eberle greift genau diesen Praxispunkt auf. In der Live-Diskussionsrunde erläutern Fabian Leppich und Roland Bürger, welche technischen und strategischen Konsequenzen sich aus dem neuen BDEW-Musterwortlaut für Verteilnetzbetreiber und Kundenstationen ergeben und warum die Auslegung der Messtechnik frühzeitig geklärt werden sollte.
Klicken Sie hier, um sich die Webinaraufzeichnung anzusehen:
Was ändert sich mit dem BDEW Musterwortlaut?
Der BDEW Musterwortlaut Mittelspannung schafft mehr Vereinheitlichung bei Prozessen und technischen Vorgaben. Er reicht von der Antragsbearbeitung bis zur Inbetriebnahme und gibt Netzbetreibern ein harmonisierteres Gerüst für ihre TAB.
Für die Umsetzung relevant ist vor allem, dass technische Festlegungen früher und strukturierter in den Prozess einfließen. Bereits in der Feinplanung sind ein einphasiger Übersichtsschaltplan, Wandlerdaten sowie Betriebsmitteldaten der MS/NS-Transformatoren und MS-Leitungen einzureichen. Vor der Inbetriebnahme werden unter anderem der ordnungsgemäße Einbau der Wandler, die Funktionsfähigkeit der Prüfklemmleiste und – sofern gefordert – erweiterte Prüfprotokolle für Strom- und Spannungswandler geprüft.
Damit steigen die Anforderungen an die technische Konsistenz. BDEW TAB Mittelspannung ist deshalb nicht nur ein Regelwerk für Dokumente, sondern ein Rahmen für reale Wirkungsketten in der Station: vom Messpunkt über den Wandleranschluss bis zur späteren Verfügbarkeit belastbarer Daten.
Warum TAB Mittelspannung neue Messtechnik erfordert
Leistungselektronik auf Erzeuger- und Verbraucherseite verändert die Signale im Netz. Im Mittelspannungsnetz treten dadurch verstärkt Flicker, Oberschwingungen und höherfrequente Spannungs- und Stromkomponenten auf. Im technischen Input werden Taktfrequenzen von Windenergieanlagen mit etwa 2 bis 4 kHz und von Solarwechselrichtern mit bis zu 20 kHz genannt. Gleichzeitig liegen Resonanzfrequenzen in Mittelspannungsnetzen erfahrungsgemäß niedriger als in Niederspannungsnetzen, sodass bereits Oberschwingungen niedriger Ordnung kritische Resonanzen anregen können.
Je mehr Übergabe- und Verrechnungsstellen im Netz vorhanden sind, desto wichtiger wird eine objektive Bewertung der Spannungsqualität am Netzanschlusspunkt. Genau dort treffen regulatorische Anforderungen, Betriebsverantwortung und Haftungsfragen aufeinander. Für TAB Mittelspannung Anforderungen heißt das: Die Messung muss nicht nur vorhanden sein, sondern technisch glaubwürdig funktionieren.
TAB Anforderungen an Power Quality Messung

Für eine belastbare TAB Mittelspannung Messung ist die Messkette entscheidend. Klasse-A-Messgeräte nach IEC 61000-4-30 sollen rückführbare und vergleichbare Daten liefern. Dafür ist nicht nur das Messgerät relevant, sondern auch das Zusammenspiel mit den eingesetzten Wandlern und Eingängen.
Für TAB Mittelspannung Power Quality ist außerdem relevant, dass die Berechnung von Harmonischen und Zwischenharmonischen im Bereich 2 bis 9 kHz nach IEC 61000-4-7 in 200-Hz-Bändern erfolgt. Wer eine Messung 9 kHz Mittelspannung fordert oder erwartet, muss deshalb die Frequenzbewertung und die dafür notwendige Messarchitektur von Beginn an mitdenken.
Problem: Wandler verfälschen die Messung
Der kritische Punkt liegt oft nicht im Messgerät, sondern im Bindeglied dazwischen. Strom- und Spannungswandler werden in der Praxis häufig wie ideale Übertrager behandelt. Herkömmliche Wandler nach IEC 61869 sind jedoch für den Betrieb bei Nennfrequenz geprüft. Das frequenzabhängige Übertragungsverhalten bei Harmonischen höherer Ordnung bleibt dabei unberücksichtigt. Genau daraus entstehen Unsicherheiten, wenn Messwerte für Grenzwerte, Nachweise oder Ursachenanalysen herangezogen werden.
Das zeigt auch die Spektralanalyse eines 20-kV-Mittelspannungsnetzes. Dort erzeugen leistungselektronische Anlagen Rückwirkungen im kHz-Bereich. Wird in diesem Bereich mit herkömmlichen MS-Wandlern gemessen, können die Sekundärsignale verfälscht werden, sodass aus dem Spektrum keine sicheren Rückschlüsse auf die reale Höhe der Störanteile mehr möglich sind.

Hinzu kommt: Das Frequenzübertragungsverhalten eines Wandlers ist nicht einfach nachträglich korrigierbar. Jeder Wandler besitzt ein spezifisches Verhalten, das zusätzlich von angeschlossenen Geräten beeinflusst werden kann. In der Realität von Kundenstationen ist genau das einer der Hauptgründe, warum vermeintlich plausible Messwerte bei genauerer Prüfung technisch nicht belastbar sind.
Anforderungen an Wandler
Für die Umsetzung der TAB Mittelspannung Wandler-Thematik bedeutet das: Nicht jeder vorhandene Wandler ist automatisch für Power-Quality-Aufgaben geeignet. Wenn Messungen im Bereich von Harmonischen, Zwischenharmonischen oder höheren Frequenzanteilen erforderlich sind, muss das Frequenzübertragungsverhalten der Wandler zur Messaufgabe passen.
Ebenso wichtig ist die Abstimmung zwischen Wandlerausgang und Messgeräteeingang. Unterschiedliche Eingangsspannungen, Impedanzen und Wandlertechnologien müssen vor der Beschaffung technisch sauber abgestimmt werden. Je nach Genauigkeitsanforderung des Störschreibers oder der Power-Quality-Messung können höhere Anforderungen an Strom- und Spannungswandler notwendig werden.


Realität in MS-Kundenstationen
In bestehenden MS-Kundenstationen treffen diese Anforderungen auf gewachsene Strukturen. Vorhandene Spannungswandler, unterschiedliche Sekundärpegel, zusätzliche angeschlossene Geräte und begrenzte Platzverhältnisse erschweren eine saubere Nachrüstung. Genau deshalb sollte TAB Mittelspannung nicht erst bei der Inbetriebnahme, sondern bereits bei der Festlegung der Messkette, Eingänge und Kommunikationswege konkret ausgearbeitet werden.
Für die Praxis ist entscheidend, dass das Messgerät unterschiedliche Einbausituationen abdecken kann. Ein flexibles System muss direkte sowie Wandler-Messung unterstützen und an reale Stationsbedingungen anpassbar sein, statt die Station an ein starres Messkonzept anzupassen.
Kritischer Punkt Spannungswandler
Besonders kritisch sind Spannungswandler, wenn Aussagen über die Spannungsqualität selbst getroffen werden sollen. Bereits einzelne Frequenzkomponenten im kHz-Bereich können über einen herkömmlichen Spannungswandler falsch an den Eingang des PQ-Messgeräts übertragen werden. In solchen Bereichen treten starke Dämpfungen oder Verstärkungen auf. Das Ergebnis: Die Überprüfung von Merkmalen nach EN 50160 ist dann nicht vertrauenswürdig.
Gleichzeitig zeigt sich in der Praxis, dass im Netz nicht nur einzelne diskrete Linien relevant sind. Neben Taktfrequenzen entstehen zusätzliche Frequenzkomponenten, Seitenbänder und Vielfache der Taktfrequenz. Für TAB Mittelspannung Anforderungen heißt das praktisch: Wer nur die Grundstruktur der Messung plant, aber das frequenzabhängige Verhalten des Spannungswandlers ignoriert, plant an der eigentlichen Problemstelle vorbei.

Konsequenz für die TAB Umsetzung
Die Konsequenz aus dem BDEW Musterwortlaut Mittelspannung ist klar: Die Umsetzung darf nicht auf das Messgerät reduziert werden. Früh festgelegt werden sollten der Messort auf der Mittelspannungsseite, die geforderten Frequenzbereiche, die Auswahl geeigneter Strom- und Spannungswandler, die Datenausgabeformate sowie die spätere Verfügbarkeit der Daten für Betrieb, Nachweis und Analyse.
Damit wird aus TAB Mittelspannung Umsetzung eine Systemaufgabe. Nur wenn Netz, Wandler, Messgerät, Zeitbezug, Datenhaltung und Auswertung zusammenpassen, entstehen verlässliche Messwerte für Power Quality, Störungen und betriebliche Entscheidungen.
Lösung
Für diese Aufgabe bietet sich ein systemischer Ansatz aus festinstallierter Messtechnik, zentraler Auswertung und Reporting an. Im A.-Eberle-Umfeld ist PQSys auf die dauerhafte Überwachung und Bewertung von Power Quality in Energieversorgungsnetzen ausgelegt.
PQSys
- PQSys unterstützt die normorientierte Überwachung und Bewertung von Power Quality-Messdaten. Das System ist auf dauerhaftes Monitoring, Ereigniserfassung und Nachweissicherheit ausgelegt und eignet sich damit für Anwendungen, bei denen TAB Mittelspannung nicht nur punktuell, sondern kontinuierlich umgesetzt werden soll.
Wandler
- Die Qualität der Messung hängt wesentlich davon ab, ob die eingesetzten Strom- und Spannungswandler für die konkrete Aufgabe geeignet sind. Entscheidend ist nicht nur die Nennfrequenz, sondern das tatsächliche Übertragungsverhalten im relevanten Frequenzbereich.
Nächste Schritte
Wenn Sie TAB Mittelspannung normnah und praxisgerecht umsetzen möchten, sollte die Messkette früh technisch definiert werden. Wir unterstützen Sie bei der Auswahl geeigneter Power-Quality-Messtechnik, der Einbindung passender Wandler und der zentralen Auswertung Ihrer Messdaten.
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FAQ - Häufige Fragen
Was bedeutet der BDEW Musterwortlaut für die TAB Mittelspannung konkret?
Der Musterwortlaut schafft eine einheitlichere Grundlage für technische Anforderungen und Prozesse beim Netzanschluss in der Mittelspannung. Gleichzeitig konkretisiert er die VDE-AR-N 4110 und reduziert den Begründungsaufwand bei Vorgaben, die bereits im Musterwortlaut enthalten sind.
Reicht für TAB Mittelspannung Power Quality ein normales Messgerät mit Standardwandlern aus?
Nein. Für eine belastbare Bewertung ist die gesamte Messkette relevant. Herkömmliche Wandler können im kHz-Bereich ein frequenzabhängiges Übertragungsverhalten zeigen und dadurch Spektren oder Spannungsanteile so verändern, dass die Bewertung von PQ-Kenngrößen nicht mehr verlässlich ist.
Warum ist die Messung bis 9 kHz in der Mittelspannung so wichtig?
Weil sich relevante Rückwirkungen leistungselektronischer Anlagen nicht nur bei 50 Hz und den klassischen Harmonischen zeigen. Im Bereich 2 bis 9 kHz werden zusätzliche Frequenzanteile sichtbar, die für die Bewertung der Netzqualität und der tatsächlichen Rückwirkungen entscheidend sein können.
Was sollte in der MS-Kundenstation frühzeitig abgestimmt werden?
Früh geklärt werden sollten Messort, Wandlertechnologie, Sekundärpegel, Eingangsimpedanzen, Datenformate, Kommunikationsweg und spätere Auswertung. Je früher diese Punkte definiert sind, desto geringer ist das Risiko von Nachrüstungen oder technisch nicht belastbaren Messkonzepten.
Welche Lösung unterstützt die Umsetzung am besten?
Technisch sinnvoll ist ein durchgängiger Ansatz aus geeigneten Wandlern, festinstallierter Power-Quality-Messtechnik und zentraler Auswertung. So lassen sich Messung, Langzeitbewertung, Reporting und Nachweisführung in einer konsistenten Struktur verbinden.
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